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SÉBASTIEN VONIER
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Ich bin in der Stadt. Eine Metall-Absperrung entlang der Bordsteinkante hält mich davon ab, die Straße zu überqueren. Sie teilt den Raum, in dem ich mich befinde, in zwei Teile: in die Straße und in den Gehweg. Ich kann daher entscheiden, meinen Weg entlang der Absperrung fortzusetzen oder unter ihr durch zu schlüpfen und das Risiko einzugehen, einen verbotenen Bereich zu betreten. Ich kann auch stehen bleiben und mir weitere Gedanken machen oder einfach in das Café nebenan gehen. Mein Verhalten und meine Bewegungen reagieren ganz automatisch auf die Absperrung. Dies liegt an dem Drang, den öffentlichen Raum funktional einteilen und dessen Strömungen regulieren zu wollen.
Stellen wir uns nun vor, dass dieselbe Absperrung um einige Meter versetzt ist, so dass ich die Straße überqueren könnte. Eine Absperrung, die mit der ersten äußerlich vollkommen identisch wäre, aber deren ungewöhnliche Platzierung ihrer Form eine neue Wirkung verliehe und ihre Funktion offen ließe. Ihre zurückhaltende Erscheinung würde das übrigens recht triviale Stadtbild zwar nicht sonderlich ändern, sie würde jedoch die eine oder andere Linie oder bestimmte Elemente betonen. Ohne gewollte Zurschaustellung oder demonstrativen Willen gäbe sie mir damit die Möglichkeit, eine leicht veränderte Sichtweise auf den Raum, in dem ich mich bewege, einzunehmen.

Sébastien Voniers Installationen im öffentlichen Raum mit dem Titel Excroissances (2002), hinter dem sich die Idee einer selbständigen organischen Entwicklung verbirgt, bestehen aus urbanen Kodierungen, Materialien und Objekten. Durch eine simple Versetzung im Raum werden sie ihrer ursprünglichen Funktion beraubt. Geländer und Bögen aus verzinkten Metallrohren, die normalerweise zum Schutz von Bäumen oder zur Abgrenzung vom Verkehr dienen, werden zu dysfunktionalen Repliken alltäglicher Elemente des zeitgenössischen Stadtbildes. Zwischen der unmittelbaren Wiedererkennbarkeit der verwendeten Materialien und Formen und der Nicht-Erkennbarkeit ihrer Funktionen im Stadtbild erhalten die Objekte einen mehrdeutigen Charakter. Indem sie weder wie Skulpturen im öffentlichen Raum noch wie althergebrachte Elemente des Stadtraums funktionieren, stehen die Röhrenskulpturen für sich und werden a priori zu einem außergewöhnlichen Betrachtungsgegenstand für den Passanten.

Yoann Gourmel

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Copyright: Sébastien Vonier